Andacht

Erdbeerpflücken im Februar und Fasten mit Schokolade

Sonntagmorgen in Talle. Eine Gruppe Konfirmanden geht Jobben beim Obstbauern: Erdbeerpflücken um das Taschengeld aufzubessern. Vielleicht wird es so ja doch noch etwas mit der Klassenfahrt, die die Eltern nicht bezahlen können. Der eine beginnt morgens um 8 Uhr, die nächste kommt um 10 Uhr dazu, schließlich noch eine ab Mittag, und dann kurz vor Schluss noch mal eine. Und alle bekommen den gleichen Lohn: 50 Euro vom großzügigen Bauern.
Wie kann das angehen?

So geschehen im Gottesdienst am 9.2.: Die Jugendlichen haben sich im Konfirmandenunterricht mit dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg beschäftigt und im Gottesdienst eine moderne Version vorgestellt. Erdbeeren statt Weintrauben, aber am Ende das gleiche Ergebnis: Von den Jugendlichen im Spiel sind am Ende alle mit dabei bei der Klassenfahrt.

So, sagt Jesus, ist es mit dem Himmelreich: Ein Weinbergbesitzer sucht Arbeiter für seinen Weinberg. Immer wieder am Tag findet er noch arbeitslose Tagelöhner und stellt sie ein. Am Ende des Tages zahlt er allen den Lohn, den er früh morgens mit den ersten Arbeitern ausgehandelt hat. Auch die Letzten bekommen das Geld für einen ganzen Tag Arbeit, obwohl sie nur eine Stunde gearbeitet haben. Nun können auch sie ihre Familien ernähren. Einfach himmlisch! Oder doch ungerecht?

Im Unterricht gingen die Meinungen auseinander: Gilt Leistung oder Bedürftigkeit? Ist das nicht auch schon etwas Gutes, von morgens an zu wissen, dass der Lohn am Abend reichen wird? Die später Dazugekommenen müssen ja den ganzen Tag fürchten, nichts oder nur viel zu wenig zu haben. Und wie kann sich das rechnen bei dem Weinbergbesitzer? Reicht sein Reichtum für solche Geschenke?

Die Jugendlichen haben gemerkt: So einfach läßt sich das Gleichnis nicht in die Gegenwart übertragen, und als Wirtschaftskonzept hat es seine Tücken. Und doch malt Jesus etwas vor Augen, was uns auch in der Gegenwart inspiriert: Dass Menschen von ihrer Arbeit leben können müssen.
Fairer Lohn heißt auch, dass er zum Leben reichen muss.

So haben die Jugendlichen im Gottesdienst die Idee des fairen Handels vorgestellt. Nicht am Beispiel der Erdbeeren, sondern am Beispiel von Kakao und Schokolade. Fairtrade-Organisationen zahlen den Kakao-Bauern einen Preis, der deutlich über dem Weltmarktpreis liegt, damit die Bauern ihre Familien ernähren können. Sie mildern den Druck, immer mehr immer billiger produzieren zu müssen, und helfen so dazu, dass die Bauern ihre Kinder in die Schule schicken können oder Gesundheitsstationen in ihren Dörfern aufbauen können. Für die Kunden hier im Westen ist es nur ein kleiner Unterschied, aber für die Produzenten dort ändert es ihre Lebensverhältnisse.

Seit 50 Jahren gibt es den Fairen Handel schon, und mehr und mehr ist die Idee in der Gesellschaft angekommen: Inzwischen gibt es fair gehandelten Kaffee, Tee, Kakao, Zucker, Orangensaft und anderes schon im Supermarkt und der Marktanteil wächst. Damit leisten Konsumenten hier ganz praktisch Hilfe zur Selbsthilfe dort und sorgen für eine bessere Welt.

Die Konfirmanden haben am Sonntag gleich einen Verkaufstisch geöffnet und fair gehandelte Schokolade angeboten – zum Probieren und Kaufen. Und wer keine Schokolade mochte, durfte die Weingummi-Erdbeeren aus dem Theaterstück naschen.

Liebe Gemeinde, vielleicht ist das auch eine Idee für die bevorstehende Fastenzeit ab Aschermittwoch? Wer nicht auf Kaffee, Tee oder Schokolade verzichten möchte, kauft einfach mal fair. Achten Sie auf das Siegel des fairen Handels oder auf die Produkte der Fairtrade-Pioniere gepa oder el puente! Ob man so etwas vom Himmelreich schmecken kann, das will ich nicht behaupten. Aber inspiriert von der Botschaft Jesu ist es schon. Und es läßt uns danach fragen, wie wir die Gaben der Schöpfung achten und die, die für uns arbeiten.

Es grüßt Sie herzlich, 


Ihr Pastor Thorsten Rosenau