Tohuwabohu!

Und Gott macht sich an die Arbeit.

Ein „Tohuwabohu!“ Man hört schon am Klang des Wortes, was es beschreibt: Ein Durcheinander, eine Unordnung, ein Chaos, das nach Ordnung schreit. Kinderzimmer werden so beschrieben, das Wäschezimmer, wenn die Koffer ausgepackt sind, aber auch verwüstete Orte nach Starkregen oder ein Festivalgelände, wenn die Party vorbei ist. Welche Bilder aus dem vergangenen Sommer kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie das Wort hören? Oder erinnert es an den Schreibtisch im Büro, wenn man nach dem Urlaub wieder zur Arbeit kommt: Alle Kollegen haben während Ihres Urlaubs das darauf abgeladen, wozu sie keine Lust hatten.

Tohuwabohu – ein altes Wort, aber treffend. Wie alt es ist, merkt man, wenn man in der Bibel liest.

Es findet sich in den ersten Zeilen: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war... „Tohuwabohu“ - „wüst und leer“ so übersetzt Martin Luther diese hebräische Wendung. Moderne Übertragungen schreiben „Irrsal und Wirrsal“ oder schlicht „Chaos“.

Und dann beginnt die Schöpfungsgeschichte: Gott ruft das Licht hervor und scheidet Licht und Finsternis. Gott ordnet die Zeit in Tag und Nacht. Gott sortiert: Wasser hierhin, Land dahin, Firmament über der Erde, daran die Lichter, Sonne für den Tag, Mond und Sterne für die Nacht. Und danach fängt er an, Lebewesen für jeden Lebensraum zu schaffen: erst Pflanzen, dann Fische und Vögel, schließlich Landtiere und die Menschen.

Doch vor dem Erfinden von Lebewesen muss Gott eben erst mal aufräumen. Erst dann ist Platz für Tiere und Menschen. Wenn man so will, gehört also das Ordnen und Sortieren zum schöpferischen Handeln Gottes. Gott gibt den Dingen ihren Platz. Was wir oft als langweilig und lästig empfinden, und was Eltern unter Mühen ihren Kindern beizubringen versuchen, das Aufräumen, beschreibt die Bibel als göttliches Handeln, göttliche Arbeit. Der Schöpfer ist schöpferisch auch dann, wenn Er sich Ordnung ausdenkt.

Vielleicht kann uns das trösten oder gar beflügeln, wenn wir uns nach dem langen Sommer, nach Urlaub und Ferien, wieder an die Arbeit machen: Der Schöpfer hat sich zwar – Gott sei Dank! - zum Abschluss der Welterschaffung noch den Ruhetag ausgedacht, als besonderes Geschenk an die Menschen, aber Er hat eben auch gearbeitet Beides hat Er seinen menschlichen Geschöpfen mit auf den Weg gegeben: Ruhe und Arbeit. Und in beidem sind wir mit Ihm verbunden. Wenn wir also unsere Arbeit wieder aufnehmen, ordnen, was sich angesammelt hat, sortieren und strukturieren, dann zeigt sich auch darin die schöpferische Kraft Gottes, die Er in uns hineingelegt hat. Dass Gott die Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen hat, zeigt sich auch darin, dass Er seinem Geschöpf selbst schöpferische Kraft, Kreativität, mitgegeben hat.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Gottes Segen zu allem, was Sie beginnen,
und grüße Sie herzlich,

Ihr Pastor Thorsten Rosenau

Gott ist’s, der das Vermögen schafft, was Gutes zu vollbringen;
er gibt uns Segen, Mut und Kraft und lässt das Werk gelingen.

Salomo Liscow 1674, Ev. Gesangbuch 494 Strophe 2