Gedanken zur Friedenstafel

von

Liebe Gäste aus Nah und Fern,

Kirchen sind Orte der Verkündigung und des Glaubens.

Kirchen sind aber auch Orte der Besinnung  und der Erinnerung. Man kann an manchen Ausstattungsdetails von Räumen erkennen, wie man damals gedacht hat und was den Menschen wichtig war.

Der älteste Raum unserer Kirche, der fast 1000 jährige Turm ist seit langer Zeit ein solcher Erinnerungsort.

Nun sind wir seit einigen Jahren dabei,  unsere Kirche zu renovieren. Von außen und innen sind wir ja schon sehr weit gekommen, im nächsten Jahr steht die Umgestaltung der Außenanlagen in einen ganz besonderen Gedenk-, Erinnerungs- und Erlebnisort an.

Heute wollen wir die Gestaltung des Turmzimmers  vollenden. Bis zur Renovierung hingen dort auf der einen Seite 2 mittelalterliche Harnische und eine Gedenktafel für Gefallene aus dem deutsch/französischen Krieg von 1870/71. Auf der anderen, von hier aus linken  Seite hingen Jahrhunderte alte hölzerne Grabtafeln der Patronatsfamilie aus Niederntalle.

Im Zuge der Renovierung haben wir lange überlegt, was in unserer Kirche so bleiben soll, wie es war und wo wir vorsichtig Veränderungen vornehmen.

Mehr Platz, mehr Luft, mehr Licht, mehr Veranstaltungselektronik.........  aber auch die Positionierung des alten Petrus vom Westgiebel in der Seitennische waren die Ergebnisse.

Bei der Gestaltung des Turmzimmers gab es unterschiedliche Meinungen. Haben Rüstungen und Gedenktafeln, die mit vergoldeter Schrift an einen „glorreichen“ Krieg erinnern in einer Kirche etwas zu suchen? Können Kriege überhaupt glorreich sein?

Sollte dieser besondere Raum nur geprägt sein von Erinnerung an Krieg und Gewalt und die Heraushebung einer Ritterfamilie, von denen niemand mehr weiß, ob sie dieses wirklich verdient hatte?

Im Turm wird an 6 Gefallene erinnert, ... vor der Kirchentür steht das Mahnmal für die Opfer der beiden Weltkriege. Im 1. Weltkrieg kamen 37 Soldaten aus unserer Gemeinde um, im 2. Weltkrieg waren es dann 66.

Wohl auch aus der Erschütterung über das Grauen des 2. Weltkrieges entschloss man sich, in der Nachkriegszeit in das Chorfenster hinter mir die Worte: Er ist unser Friede  zu schreiben.

Wir entschieden uns dazu, die eine Seite des Turmzimmers  so zu belassen, die Harnische und die Kriegsgedenktafel restaurieren zu lassen, hier also keine Veränderungen vorzunehmen.

Dafür aber wollten wir auf der anderen Seite einen deutlichen Kontrapunkt zu setzen!

Wir wollten eine Tafel, die uns alle mahnen sollte, uns um Frieden zu bemühen!

Kommt Frieden vom Himmel? Machen Menschen Frieden?

Wenn man Luther ernst nimmt, der von der Freiheit des Christenmenschen gesprochen hat, dann darf man dieses als Auftrag verstehen, nicht die Hände in den Schoß zu legen sondern sich selber auf den Weg zu machen. Trotzdem darf man aber auf göttlichen Beistand bei der Wegsuche hoffen!

Das Wort Friede, das zum Motto der Peterskirche und auch unseres neuen Gemeindehauses geworden ist, sollte in jedem Fall vorkommen, aber nicht nur in deutscher Sprache!

So haben wir überlegt, das Wort Frieden in 20 Sprachen von Menschen aufzuschreiben, die im vergangenen Jahrhundert in den beiden Weltkriegen gekämpft haben, sich z.T. schuldig gemacht haben, die gelitten haben und getötet wurden.

Bei dem zentralen Spruch in der Mitte der Tafel boten sich viele Möglichkeiten an, da drängte sich die Seligpreisung  aus der Bergpredigt auf:  Selig sind, die Frieden stiften....u.s.w.

Unsere Wahl fiel dann aber auf: Lenke unsere Schritte auf den Weg des Friedens aus Lukas 1,79

Als ich diese Worte zum ersten Mal in der Planskizze schrieb, bin ich über den Weg gestolpert. Müsste es nicht eigentlich heißen, dem Weg?

Heute erinnern wir an 80 Jahre Kriegsbeginn, im nächsten Jahr können wir auf 75 Jahre Frieden in Mitteleuropa zurückblicken. Sind wir nicht schon seit nunmehr 3 Generationen auf dem Weg des Friedens?

Aber sind wir es wirklich, ..... wenn Staatsführer die Parolen ausgeben: Mein Land zuerst?

Sind wir Deutsche da nicht schon weiter? Wir verzichten aus gutem Grund auf die 1. Strophe der Nationalhymne? Hoffentlich bleibt es dabei!

Sind wir wirklich auf dem auf dem Weg des Friedens, wenn es Mitgliedsländer der EU gibt, die dieser Gemeinschaft der dem Humanismus verpflichteten Staaten zwar beigetreten sind, dann sich aber einer gerechten Verteilung von Flüchtlingen verweigern?

Sind wir wirklich auf dem auf dem Weg des Friedens, wenn im Mittelmeer Menschen ertrinken,  man aber ausgerechnet die Menschen in Arrest bringt, die diese Menschen vor dem Ertrinken retten?

Gehören nicht die Politiker zur Verantwortung gezogen, die die Rettung von Menschenleben immer wieder behindern?

Aber schauen wir nicht nur selbstgefällig auf andere, ....schauen wir unseren eigenen Beitrag an!

Sind wir schon auf dem Weg des Friedens, wenn wir durch unsere Art des Lebens und Wirtschaftens die Lebensgrundlagen von Menschen in Afrika zerstören und diese Fluchtwellen aus Afrika erst in Gang setzen?

Und was ist mit den deutschen Waffen, die in alle Welt exportiert werden und nicht nur Frieden bringen?

Nein, Friede ist kein Zustand, sondern ein Auftrag, in jeder Generation neu.

Sich aufmachen und immer wieder neu den Weg des Friedens zu suchen!

Wer weiß, wie lange die Tafel hängen wird?  Vielleicht wird sie irgendwann ausgetauscht, weil jemand etwas besseres oder zeitgemäßeres entwirft.  Dann ist es in Ordnung so!

Schließen möchte ich mit der  Hoffnung, dass die Tafel nicht irgendwann abgehängt wird, weil:

  • die Erinnerung an das Grauen der Weltkriege verblasst... oder...
  • weil man das Streben nach Frieden für nicht mehr zeitgemäß und Krieg wieder für denkbar hält.
  • Überlassen wir unser Land und die Welt nicht wieder den Populisten und Nationalisten, den Demagogen, den Menschenfeinden, Kriegstreibern und Diktatoren!

Wenn wir es doch tun,  dann wären all die Opfer der Kriege, an die wir heute erinnern am Ende doch sinnlos gewesen!

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