Grabstein C4

alte Grabstein-Nr. 1

Name: Collers  

geb.: 17.1.1708
gest.:
Lebensalter: 61,5 Jahre

Ort:

Inschrift vorne

Hier ruhet die ehr und tugendsahme Frau Anna Cathrina Collers sehl Conradi Vogds Custern und Schhuldienern zur Talle Ehfrau ist in dem Herrn sehlig endschlaffen anno 1708 d 14 Ja__ ihres Alters ____

Inschrift hinten

Textus Psalmo
CXIXX V 92
Wo dein Gesatz
nicht mein Tro
st gewest we
re so were ich
vergangen
in meinen
Elende

Wenn dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich vergangen in meinem Elend.

Bibelvers nach moderner Lutherübersetzung aus Psalm 119, Vers 92

Die Frau des Küsters Conradus Vogd starb nur 2 Jahre nach ihrem 16 Jahre jüngeren Mann mit 61 1/2 Jahren. 

Nur 1 Monat vor ihrem Tod hatte sie noch einmal geheiratet, Johann Rieke aus Bavenhausen. (Quelle: Nicolas Rügge, Die Grabsteine an der Kirche in Talle)

A. Wiemann stellt 1920 in seinem Büchlein "Heimatkundliche Bilder aus dem Ilsetal" fest, dass die Gedenksteinsprüche schwülstig klingen gegenüber den Kirchenbucheinträgen: "Januar 17. Heute haben wir die alte Küstersche begraben ihres Alters 61 ½ Jahre." 

Die prunkvolle wappenähnliche Symbolik auf diesem Stein enthält neben der Krone des Lebens vorne, auf der Rückseite einen Engel (in anderem Stil als die auf den Vorderseiten der älteren Grabsteine aus dem 17. Jahrhundert) und einem Schädel (als damals übliches Symbol zur Mahnung der Vergänglichkeit) auch ein Einhorn. Es war damals schon einmal "modern" als Symbol für Jesus (aus dem Schoß der Jungfrau Maria). 

"Der Physiologus" erklärt: "'und wird erhöhet werden, sagt der Psalmist, mein Horn wie das des Einhorns. (Ps. 92,11)

Das Einhorn ist ein kleines Tier, ähnelt einem Zicklein, hat aber einen gar scharfen Mut. Nicht vermag der Jäger ihm zu nahen darum, dass es große Kraft hat. Ein einzig Horn hat es, mitten auf dem Haupte. 

Wie aber wird es gefangen? 

Man legt ihm eine reine Jungfrau in den Weg. Und da springt das Tier in den Schoß der Jungfrau, und sie hat Macht über es, und es folget ihr. 

Die Übertragung als Symbol für Jesus: Denn das Horn unseres Vaters wurde uns zum Horn des Heils (in der Geburt Jesu). Er ging ein in den Leib der wahrhaftig und immerdar jungfräulichen Maria, und das Wort (Gott) ward Fleisch (in Jesus) und wohnete unter uns. 

Bei der Aufnahme des Grabsteins wurde eine Art Steinmetz-Zeichen im Sockelbereich entdeckt, wie auf dem Foto zu sehen.